Was macht Arbeitgeber attraktiv?

Die moderne Dienstleitungs- und Wissensgesellschaft bringt eine grundsätzliche Änderung der Arbeitsstrukturen und Prozesse mit sich. Immer weniger Menschen führen monotone Arbeiten an Maschinen oder in starren hierarchischen Strukturen aus, moderne Tätigkeiten erfordern vielmehr Eigenschaften wie Kreativität, Flexibilität und ganzheitliches Denken. Die Trennung von Arbeit und Freizeit wird unschärfer und auch die Ansprüche der Menschen an ihre Arbeit haben sich geändert.

Im Idealfall soll Arbeit heutzutage nicht nur produktiv sein, sondern auch erfüllend, kreativ und herausfordernd. Und sie soll mit dem eigenen Lebensentwurf in Einklang stehen. So ist neben der hohen Identifikation mit dem beruflichen Tun auch der Wunsch nach einer guten Vereinbarung von Job und Familie groß.

Darüber hinaus ist es heutzutage nicht mehr selbstverständlich, von der Ausbildung bis zur Rente in derselben Firma zu arbeiten. Wenn Mitarbeiter den Job wechseln, steht allerdings in der Regel nicht das Geld im Vordergrund, sondern das Betriebsklima. Bessere Vorgesetzte und ein kollegialeres Verhalten untereinander nennen laut einer Studie des Bundesarbeitsministeriums rund drei Viertel der Jobwechsler als Hauptgründe für eine berufliche Veränderung. Und auch die Studie „Beruf und Karriere 2015“ der CreditPlus Bank AG kommt zu dem Ergebnis, dass das Arbeitsklima den Bewerbern wichtiger ist als Gehalt oder Urlaub. Ein gute Atmosphäre und flexible Arbeitszeiten sind die Top-Anforderungen an zukünftige Arbeitgeber.

Attraktive Arbeitgeber sind erfolgreichere Unternehmen

Gleichzeitig stehen die von der Globalisierung getriebenen Unternehmen unter starkem Konkurrenzdruck, nicht nur um Marktanteile sondern um Mitarbeiter. Das Betriebsklima und das Arbeitsumfeld sind entscheidend für die Attraktivität als Arbeitgeber. Die Wissenschaftler Daniel Goleman und Richard Boyatzis haben in ihren Publikationen darüber hinaus auch auf den Zusammenhang zwischen Betriebsklima und Unternehmenserfolg hingewiesen. Zufriedene Arbeitnehmer leisten mehr. Herrscht dagegen eine schlechte Stimmung, wird es auch naturgemäß schwer, gute Dienstleistungen zu erbringen. Teams funktionieren besser, wenn die Mitarbeiter mit sich und ihrem Arbeitgeber zufrieden sind. Unternehmen haben also ein ökonomisches Interesse daran, gute Arbeitgeber zu sein.

Die großen Konzerne scheinen hier die Nase vorn zu haben. Im IT-Bereich begeistert Google viele Jung-Informatiker und nimmt seit einigen Jahren Platz 1 unter den Wunsch-Arbeitgebern ein, gefolgt von Microsoft, Apple, Audi und SAP (Universum Student Survey Deutschland 2015). Was macht diese Konzerne zu attraktiven Arbeitgebern? Sind es die wie Abenteuerspielplätze gestalteten Büros, das kostenlose Essen oder die Massagen? Diese ausgefallenen Ideen brachten das Wort „Work-Life-Balance“ in aller Munde. Die heile Online-Welt scheint allerdings ein Mythos zu sein, denn erstaunlicherweise nutzen viele Berufsanfänger Google & Co. nur als Sprungbrett, die durchschnittliche Dauer der Arbeitsverhältnisse ist beispielsweise bei Google mit 1,1 Jahren recht gering. Auch Google-Mitarbeiter altern, sind inzwischen über 30, denken über Familienplanung nach oder wollen einfach nicht mehr jeden Tag wie unter Strom arbeiten. Zudem fehlen in dem Unternehmen schlicht die Karrieremöglichkeiten.

Was haben Mittelständler den hippen Konzernen voraus?

Für deutsche Hochschulabsolventen kommt die genannte Universum-Studie zu dem Ergebnis, dass sie im Grunde eher bodenständige Wünsche haben: Ein attraktives Grundgehalt, interessante Produkte und Dienstleistungen, ein positives Arbeitsumfeld und einen sicheren Job. Oberstes langfristiges Ziel der Akademiker: Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Beruf und Privatleben, die viel zitierte Work-Life-Balance. Wünsche, die nicht nur Konzerne erfüllen können.

Konzernen sagt man eher starre Strukturen und undurchschaubare Hierarchien nach, allerdings auch einen höheren Verdienst. Kleinere und mitteständische Unternehmen sind nach einer Erhebung von PricewaterhouseCoopers für Bewerber attraktiv, weil sie familiär und weniger anonym sind und die Bewerber dort ein besseres Betriebsklima erwarten. Und auch Peter Doll, Vorstand der Sander & Doll AG, weiß, dass gerade die Mittelständler in Bezug auf Arbeitsumfeld und Karrieremöglichkeiten punkten können. „Besonders attraktiv sind bei Sander & Doll sicherlich die flachen Hierarchien und die durchlässige Unternehmensstruktur. Nichts ist bei uns statisch. Wir unterstützen Mitarbeiter dabei, sich weiterzuentwickeln, sei es beim Aufstieg in eine Leitungsposition, beim Quereinstieg oder dem Wechsel des Aufgabengebietes. Nicht zuletzt deshalb haben wir ein Karrieremodell entwickelt, in dem gemeinsam mit den Mitarbeiter individuelle Entwicklungsmöglichkeiten und -ziele definiert werden.“

Auch Katja Nebeling, Kundenbetreuerin bei Sander & Doll, lobt das Arbeitsklima: „Viele Kollegen und Kolleginnen arbeiten schon lange bei Sander & Doll, wir sind einfach ein super Team. Vor allen Dingen gibt es eine große Kollegialität und einen guten Zusammenhalt der Mitarbeiter untereinander. Außerdem ist es möglich, Ideen einzubringen und Prozesse mitzugestalten. Für eine Idee, die man dem Vorgesetzten in der Kaffeeküche erzählt, kann es noch am selben Tag grünes Licht geben.“ In einem Konzern gehen solche Ideen dagegen oft im Irrgarten der Bürokratie unter.

Noch ein Vorteil der mittleren Unternehmensgröße: Neue Mitarbeiter werden sofort in aktuelle Projekte involviert. Die Entscheidungswege sind kurz und auch die Stimme von Einsteigern hat in den überschaubaren Teams durchaus Gewicht. Der Sprung in eine Führungsposition kann bei entsprechendem Einsatz schneller gelingen. „Auf diese Aspekte sollten Mittelständler und Familienunternehmen in ihrer Kommunikation mit Bewerbern stärker eingehen“, so Peter Doll. „Viele mittelständische Firmen oder kleine spezialisierte Unternehmen haben in den vergangenen Jahren sicherlich versäumt, an ihrer Sichtbarkeit für Bewerber zu arbeiten.“