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Flexibel auf Marktanforderungen reagieren: Die Weiterentwicklung der Mareon-Schnittstelle

In Verbindung mit der Sander & Doll-Software nutzen Handwerker über unsere Schnittstellen nahtlos eine große Anzahl an Spezialsoftware oder handwerksspezifischen Internetangeboten. Änderungen der Standards oder des Funktionsumfanges der angebundenen Software oder Portale müssen in der Regel zeitnah von unserer Entwicklung angepasst werden. Wie die Aktualisierung einer komplexen Schnittstelle bei Sander & Doll in der Praxis umgesetzt wird, erfahren Sie am Beispiel unserer Schnittstelle zum Handwerker-Auftragsportal „Mareon“.

„Mareon“ ist ein Serviceportal der Aareon AG, einem Beratungs- und Systemhaus, das für die europäische Immobilienbranche tätig ist. Viele renommierte Wohnungsgesellschaften stellen über Mareon ihre Aufträge aus Neubau-, Instandhaltungs- oder Sanierungsprojekten den registrierten Handwerkern digital zur Verfügung, ausschließlich für angenommene Aufträge werden anschließend Gebühren fällig.

Seit 2005 bietet Sander & Doll eine von der Aareon AG zertifizierte Schnittstelle zu diesem Portal an. Darüber importieren unsere Kunden die Mareon-Aufträge automatisiert in ihre Sander & Doll-Branchenlösung, bearbeiten sie dort und laden sie anschließend wieder auf das Mareon-Portal zurück. Die teilnehmenden Handwerker haben damit nicht nur Zugriff auf einen zusätzlichen großen Auftragspool, sondern bearbeiten darüber hinaus diese Aufträge besonders effizient und zeitsparend in ihrer gewohnten Sander & Doll-Softwareumgebung.

Um den Komfort für die Nutzer weiter zu erhöhen oder neue technische Standards nutzbar zu machen wird das Mareon-Portal vom Anbieter laufend entsprechend der aktuellen Trends weiterentwickelt. Im vergangenen Jahr stand die neue Schnittstellengeneration 2.4 vor dem Start. Selbstverständlich, dass Sander & Doll diesen neuen Standard zeitnah den eigenen Kunden zur Verfügung stellte. Unsere Produktentwicklung rief daher das Projekt „Überarbeitung und Zertifizierung der Mareon-Schnittstelle“ ins Leben.

Das Projekt-Team

Die besondere Herausforderung für uns Entwickler bei diesem komplexen Schnittstellen-Projekt war, sowohl die Vorgaben für die externe Zertifizierung zu berücksichtigen, als auch diese Vorgaben nahtlos in die vorhandene Nutzer-Umgebung der Sander & Doll-Branchensoftware einzufügen. Die Umsetzung musste also bestimmte Bedienstandards erfüllen und mit den Sander & Doll-Designrichtlinien übereinstimmen.

Mareon

Das Mareon-Projekt in einer Übersicht

Bei Sander & Doll wird in spezialisierten Entwickler-Teams nach dem Scrum-Modell gearbeitet. Dies ist ein wesentlicher Vorteil insbesondere bei der Umsetzung komplexer Projekte wie der Mareon-Schnittstelle, da die Aufgaben im Team flexibel verteilt und im Wesentlichen selbstorgansiert und zudem parallel bearbeitet werden können. Wird darüber hinaus spezielles Know-how eines anderen Teams zu einer besonderen Aufgabenstellung benötigt, kann auch dieses Team in das Projekt mit einbezogen werden.

Ein vierköpfiges Entwickler-Team ist ausschließlich für die Weiterentwicklung der Branchenlösungen zuständig und somit auch für die Schnittstelle zum Mareon-Portal.

Die Anforderungen

Entwickler können natürlich nicht einfach „drauflosprogrammieren“. Vor dem Start mussten zunächst die Anforderungen an die neue Schnittstelle identifiziert und definiert werden.

Im Scrum-Modell nimmt der sogenannte Product Owner dem Entwickler-Team gegenüber die Rolle der Benutzerseite ein und in diesem Fall ebenfalls die Seite der Zertifizierungsstelle. Der Product Owner wertete dazu zunächst die von Mareon gemachten Vorgaben in Bezug auf die Benutzerführung aus und setzte sie in sogenannte User-Storys um. Diese User-Storys formulieren die Anforderungen an die Schnittstelle aus Anwendersicht. Ein Beispiel für den Zertifizierungsablauf ermöglichte darüber hinaus eine Unterscheidung der Pflicht-Änderungen von den optionalen Änderungen.

Aus den User-Storys entwickelte unser Team jeweils eine konkrete Lösungsidee einschließlich der notwendigen Code-Änderungen auf der technischen Seite und formulierte dies in einzelnen Umsetzungs-Konzepten. Der Product-Owner prüfte die Konzepte dahingehend, ob die Anforderungen in gewünschter Weise abgebildet wurden. Hier fand ein regelmäßiger und enger Austausch statt.

Die Vorarbeiten

Auf Basis der definierten Anforderungen führten wir zunächst eine ausführliche Quellcodeanalyse der vorhandenen Schnittstelle durch, um die möglichen Ansatzpunkte für die Programmierung zu identifizieren. In diesem Zusammenhang überarbeiteten wir direkt auch ältere C++-und C#-Quelltexte, um sie an unsere aktuellen Firmenstandards anzupassen.

Nach der Analyse konnten die erforderlichen Änderungen für das Gesamt-Projekt „Schnittstelle“ vier übergeordneten Bereichen zugeordnet werden:

  • Login und Empfang der Mareon-Aufträge über die Webschnittstelle
  • Benutzersteuerung und Dialoggestaltung
  • Bearbeiten und Erstellen von Dokumenten
  • Senden der Auftragsdokumente zurück an das Mareon-Portal

Nach dem Scrum-Prinzip wurden die genannten Haupt-Projektbereiche in viele kleine Vorgänge aufgeteilt. Dies bietet uns Entwicklern den Vorteil, diese einzeln und in sich abgeschlossen bearbeiten zu können, so dass die Projekt-Vorbereitung und -Umsetzung parallel vom ganzen Team durchgeführt werden konnte. Dies erlaubte uns außerdem erstmals, den Quellcode ausführlich nach internen Richtlinien zu dokumentieren. Hierdurch werden alle späteren Schnittstellen-Anpassungen enorm erleichtert.

User-Storys

Die Gestaltung der grafischen Benutzeroberfläche und die Art der Benutzerführung sind von entscheidender Bedeutung für die tatsächliche Verwendbarkeit einer Funktion. Die User-Storys beschreiben hierfür aus Anwendersicht und auf sehr kleine Einheiten heruntergebrochen, welches Bedürfnis der Anwender hat und wie er sich die Umsetzung wünscht.

Empfangene Mareon-Auftragslisten werden in der Sander & Doll-Branchenlösung in einem eigenen Dialog aufbereitet und für den Kunden in einer tabellarischen Übersicht dargestellt. Die einzelnen Aufträge der Liste können unterschiedliche Status aufweisen. Nimmt ein Handwerker einen Auftrag an, wird der neue Status „Angenommen“ an das Mareon-Portal gesendet. Eine Anforderung an die neue Schnittstelle war beispielsweise die Integration von zwei neuen Auftrags-Status „Angenommen unter Vorbehalt“ und „Parken“, um Aufträge zu reservieren oder später zu erledigen. Die dazu verfasste User-Story gab uns detailliert Auskunft darüber, wie die Status verwendet werden. Ein Beispiel für eine solche Detail-Anforderung: „Wenn ich den Status ‚Parken‘ setze, muss es möglich sein, einen Grund für das Parken zu hinterlegen.“

Aufgabenteilung

Die neuen Status sollten darüber hinaus mit einem aussagekräftigen Icon gekennzeichnet werden. Diesen Prozess zerlegten wir weiter: Ein anderes Entwickler-Team hatte das grafische Spezialwissen, um für uns die neuen Symbole zu kreieren, während ich selbst parallel die Status-Verwaltung bearbeitete. Zur gleichen Zeit konnte mein Kollege schon an einem weiteren „Programmierhappen“ arbeiteten: An einer Statushistorie der Rechnungen, die dem Anwender Auskunft darüber gibt, wie oft ein Rechnungsentwurf hochgeladen wurde oder ob eine Rechnung storniert wurde. Die User-Story beschreibt dazu: „Ich möchte einen Überblick über die von mir eingereichten Rechnungen, so dass ich mich jederzeit über den Status orientieren kann, in dem sich eine Rechnung gerade befindet.“

Es gibt für Mareon-Aufträge und Mareon-Rechnungen spezielle Formulare. Da sie in einem XML-Format vorliegen, können sie beliebig verändert und erweitert werden. Für die neue Schnittstelle waren zusätzliche Felder für Referenzen und Erstelldaten des Auftrags erforderlich. An dieser Stelle holten wir Spezialisten einer anderen Abteilung mit ins Boot: Unsere Formularabteilung erweiterte die Auftragsformulare kurzfristig um die erforderlichen Felder. Jetzt mussten wir nur noch dafür sorgen, dass die neuen Felder vom Programm entsprechend gefüllt werden.

Teamunterstützung

Durch tägliche Besprechungen im Team, sogenannte „Daily Scrums“, konnten die Tages-Aufgaben so verteilt werden, dass jeder eine in sich abgeschlossene (Teil-)Aufgabe bearbeitet. In diesen ca. 15-minütigen „Stand-up“-Meetings besprach unser Team den Fortschritt der Einzelaufgaben und die Tages-Planung eines jeden Entwicklers. Am Vortag aufgetretene Hindernisse wurden ebenfalls diskutiert und Ideen zur Lösung ausgetauscht. So konnte beispielsweise ein anfängliches Problem beim Hochladen der Rechnungen durch den Tipp eines Kollegen sehr schnell gelöst werden.

Und wann ist die Funktionalität fertig? Unser gesamtes Team stand ständig im Dialog mit dem Product Owner, der die User-Storys durch Akzeptanzkriterien ergänzt. Das sind stichpunktartige Kriterien, die erfüllt sein sollten, damit der Product Owner eine User-Story als fertig umgesetzt akzeptiert. Die Umsetzung funktionierte zielgenau und rechtzeitig, so dass dem Zertifizierungstermin nichts mehr im Wege stand.

Die Zertifizierung

Die Zertifizierung fand am 16. November per Fernwartungsverbindung statt. Die Mareon-Ansprechpartnerin bat uns eine Reihe von relevanten Programmstellen vorzuführen. Zunächst zeigten wir das Login, da die Schnittstellen-Weiterentwicklung eine Änderung des Anmeldeverfahrens erforderte. Anschließend spielten wir einen für Handwerker typischen Arbeitsablauf mit verschiedenen Auftragsarten durch und schlossen ihn mit einer Rechnung ab. Die Zertifizierung dauerte insgesamt zwei Stunden. Zwei kleine Fehler konnten bereits während des Zertifizierungsgesprächs analysiert und auch behoben werden. Die Änderungen mussten jedoch noch getestet werden, daher war für die abschließende Zertifizierung ein zweiter Termin notwendig. Dieser dauerte allerdings nur wenige Minuten und wir erhielten sofort das offizielle Ergebnis: Die Zertifizierung war erfolgreich! Die Mareon-Mitarbeiterin freute sich über die gelungene Umsetzung der Schnittstelle und sprach uns darüber hinaus ein Sonderlob für die gute Benutzerführung innerhalb der Sander & Doll-Software aus.

Perfektionierung

Mit der erfolgreichen Zertifizierung waren die Anforderungen an Mareon erfüllt. Da wir jedoch unseren Kunden nicht nur ein gutes, sondern immer ein perfektes Ergebnis präsentieren möchten, durchlief der Programmteil vor der Veröffentlichung noch unsere interne Qualitätssicherung. Ergebnis war eine weitere Optimierung der Formulare und die Verbesserung der Performance. Alle Änderungen wurden außerdem für unsere Kunden in Online-Hilfe des Programms dokumentiert.
Jetzt konnte ich das fertige Projekt der Geschäftsleitung und dem Vertrieb präsentieren, wobei die Umsetzung viel Lob erntete.

Fazit

Die gelungene Umsetzung der Mareon-Schnittstelle ist ein Team-Erfolg. Für den reibungslosen Ablauf spielten insbesondere die gute Kommunikation im Team sowie die effektive Aufgabenverteilung eine entscheidende Rolle. Darüber gewährleisteten unsere sorgfältigen Vorbereitungen eine hohe Qualität des Quellcodes.

Hintergrund

Das Mareon-Portal startete 2001 und entwickelte sich schnell zu einer führenden Lösung in der Immobilienbranche. Über 250 Wohnungsbaugesellschaften stellen dort ihre Aufträge den mehr als 8500 angemeldeten Handwerkern online zur Verfügung. Seit 2001 konnten so mehr als 15 Millionen Aufträge vergeben werden. Zu den teilnehmenden Immobilien-Unternehmen zählen beispielsweise die LEG Nordrhein-Westfalen, die Grundstücks- und Gebäudewirtschafts-Gesellschaft GGG Chemnitz, die degewo AG in Berlin oder der Lübecker Bauverein.

Rene Lemke

Rene Lemke

René Lemke absolvierte eine Ausbildung zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung und arbeitet seit 2013 als Software-Entwickler bei Sander & Doll.