Frauen in der IT: Grace Hopper – die Erfinderin des Compilers

Am heutigen Girls‘Day möchten wir an eine Computer-Pionierin erinnern: Grace Brewster Murray Hopper. Sie entwickelte den ersten Compiler, mit dem sie Programmierkommandos in Maschinensprache übersetzen konnte. Dies war die Grundlage für Generationen von Programmiersprachen, darunter die Sprache COBOL, die sie maßgeblich mit entwickelte.

Grace Hopper wurde 1906 in New York als Grace Brewster Murray geboren. Sie studierte Mathematik und Physik und beendete ihr Studium 1930 an der Yale University mit Auszeichnung. Anschließend heiratete sie den Dozenten Vincent Hopper. Sie selbst lehrte bis 1943 am Vassar College Mathematik, zuletzt als Associate Professor. 1934 promovierte sie an der Yale University in Mathematik.

Zwei Jahre vor Ende des zweiten Weltkriegs trat Grace Hopper in US-Marine ein und arbeitete dort bis 1946 als Mathematikerin. Diese Phase veränderte ihr Leben nachhaltig, denn hier lernte sie den ersten universell programmierbaren Computer kennen, den Relais-Rechner Mark I. Er konnte drei Additionen pro Sekunde verarbeiten und hatte ein Gewicht von knapp 5 Tonnen bei einer Frontlänge von 16 Metern. Grace Hopper arbeitete am Bau des Folgemodells Mark II eigenhändig mit. Auch dieser bot noch Bits zum Anfassen – jedes Relais stand für ein Bit: Strom an gleich „Eins“, Strom aus gleich „Null“.

Da diese frühen Computermodelle noch mit Lochstreifen funktionierten, bedeutete Programmierung eine mühsame Konstruktion von Befehlen in Maschinensprache, also in Einsen und Nullen. Hopper hatte die bahnbrechende Idee, dass Programmiersprachen auch für Menschen verständlich darstellbar sein müssten. Um Mensch und Maschine zusammenzubringen, entwickelte sie 1952 den ersten Compiler – ein „Übersetzungsprogramm“, das die am Menschen orientierte Programmiersprache in die Maschinensprache des Rechners umsetzt.

Die Erfindung des Compilers machte die Programme unabhängig vom dem Computer, auf dem sie laufen sollten – ein entscheidender Fortschritt. Grace Hopper gilt als die Erfinderin der maschinenunabhängigen Programmiersprachen. Sie arbeitete bei der Eckert-Mauchly Computer Corporation am ersten kommerziell hergestellten Computer, dem UNIVAC I. Dort schuf sie unter anderem die Programmiersprache FLOW-MATIC, die für Daten und Befehle erstmals umgangssprachliche Worte (z.B. Compare, Replace, Price) verwendete. Später war sie im Rahmen eines Projektes der US-Marine maßgeblich an der Entwicklung der Programmiersprache COBOL (Common Business Oriented Language) beteiligt. Diese Sprache war weltweit erfolgreich und wird noch heute im kaufmännischen Bereich eingesetzt.

Amazing Grace – so wurde sie von ihren Mitarbeitern genannt – war die große alte Dame der Informatik. Sie hatte zuletzt den Rang des Flotillenadmirals der amerikanischen Marinereserve, ohne je auf einem Kriegsschiff gedient zu haben. Erst im Alter von 80 Jahren entließ die Navy sie in den Ruhestand, 1992 starb sie. Im Laufe ihres Lebens erhielt mehr als 90 Auszeichnungen darunter 40 Ehrendoktorwürden.

Der Begriff „Bug“ (engl. Käfer) für Softwarefehler wird häufig auf Grace Hopper zurückgeführt, war in Wirklichkeit aber schon vor ihrer Zeit bekannt. Bereits im 19. Jahrhundert taucht „Bug“ in der Beschreibung kleinerer Fehler in mechanischen und elektrischen Teilen auf. Wahr ist, dass Grace und ihr Mitarbeiter den ersten „tatsächlichen“ Bug gefunden haben: Sie zogen eine echte tote Motte aus Mark II, die dort eine Störung (also einen „Bug“) verursacht hat. Das Prüfen des Programmablaufs auf Fehler heißt dementsprechend „debugging“.